Aktuelle Projekte

Lateinamerika: Arbeitsprogramm COLSIBA

Die Lateinamerika-Koordinierung der Gewerkschaften in der Bananen- und Landwirtschaft (COLSIBA) hat viel zu tun: Löhne, Arbeitsbedingungen und Erzeugerpreise in Lateinamerikas wachsender Agrarexportproduktion sind wegen dem Preiskampf konkurrierender Einzelhandelsketten in den Konsumentenländern und der Missachtung nationaler Arbeitsgesetze schlecht. Der Anteil der Leiharbeit wächst, Gewerkschaftsarbeit wird oft kriminalisiert oder, wie in Guatemala, mit Mordanschlägen unterdrückt. Im Bananenanbau finden nur wenige Frauen Arbeit. Die Zahl der Arbeitsmigranten steigt. Beschäftigte erkranken wegen ungesunder Arbeitsbedingungen. Tarifverträge sind in vielen Betrieben ein Tabu. Diese Probleme erfordern eine Intensivierung der Zusammenarbeit mit den Mitgliedsorganisationen vor Ort durch Meetings und Besuchsreisen. Kein einfaches Unterfangen angesichts des Einzugsgebiets der elf Mitgliedsverbände in neun Ländern von Guatemala bis Peru. Die Kommunikation muss verbessert werden, ebenso die strategische Planung. Erfolge durch die Mitwirkung von COLSIBA sind z.B. in Nicaragua erstmals nach vielen Jahren wieder neu verhandelte Tarifverträge auf zwei Bananenplantagen und in Guatemala die Bildung einer Dialogrunde von Gewerkschaft SITRABI, Unternehmern und Regierungsvertretern. Mehr gewerkschaftlichen Einfluss und Tarifverträge auf Plantagen will COLSIBA auch durch eine stärkere Mitarbeit im Weltbananenforum erreichen.

  • BanaFair unterstützt die institutionelle Entwicklungsarbeit von COLSIBA im Zeitraum 2013-2016 mit 15.500 Dollar.

Costa Rica: Für die Rechte von Migranten

Die Gewerkschaftskoordinierung COSIBACR in Costa Rica engagiert sich für die Legalisierung des Arbeits- und Aufenthaltsstatus der Migranten unter ihren Kolleg/innen. Gut Dreiviertel der Beschäftigten im Ananas- und Bananenanbau im Nordosten des Landes kommen aus Nicaragua. Im Grenzgebiet von Sixaola an der südöstlichen Karibikküste gehören 95% der Bananenplantagenbeschäftigten zum Volk der Guaymies. Eine neue Migrationsgesetzgebung mit komplizierten Durchführungsbestimmungen führt seit drei Jahren zu höheren Kosten und größerem formalen Aufwand bei Antragsverfahren. COSIBACR organisiert mit dem nicaraguanischen Konsulat einen mobilen Service im Plantagengebiet, um den Migranten zeitraubende Fahrten in die Hauptstadt San José zu ersparen. Mit Partnergewerkschaften in Nicaragua und Panama besorgt COSIBACR die Versendung von relevanten Dokumenten (z.B. Geburtsurkunden) aus den Herkunftsländern. Das COSIBACR-Projekt beinhaltet Kurse in Migrations- und Arbeitsrecht, Rechtsberatung, die Vernetzung mit anderen in der Migrantenarbeit tätigen Organisationen, Vertretung vor Gericht bei Arbeitsrechtsklagen und die Interessensvertretung gegenüber politischen Entscheidungsträgern.

  • BanaFair fördert die COSIBACR Migrantenarbeit in Costa im Zeitraum 2013-2016 mit 15.000 Dollar.

Honduras: Fortbildung für Arbeiter/innen

FESTAGRO, die erste Branchen-Gewerkschaftsföderation in Honduras, ist 2012 aus der Koordinierung der Bananengewerkschaften COSIBAH hervorgegangen. Zu ihr gehören sechs Organisationen im Bananenanbau und eine im Zuckerrohranbau. Ihr Organisationsentwicklungsprojekt für den Zeitraum 2013-2015 strebt die Gründung von Betriebskomitees auf den Plantagen nationaler Produzenten in den drei nördlichen Departments Cortés, Yoro und Colón an. Die großen Fruchtmultis in Lateinamerika kaufen den größten Teil ihres Bananenumsatzes bei Einzelproduzenten an, bei denen es nur selten Gewerkschaften gibt. In Honduras sind es zwei, wobei nur eine Farm einen Tarifvertrag mit der Gewerkschaft unterhält. Auf Farmen ohne Gewerkschaftsorganisation hat die Mehrheit der Beschäftigten keine Festanstellung und bekommt meist weniger als den Mindestlohn. Mit dem Projekt leistet FESTAGRO Fortbildungsarbeit für bisher nichtorganisierte Beschäftigte durch Seminare, Druckmaterialien, Radioprogramme und über die Webseite zu einer Vielzahl von Themen, darunter Arbeits- und Tarifrecht, Argumentationsstrategien, Gender-Themen, Arbeitsplatzumwelt, Umgang mit Agrarchemikalien, Organisation, Kommunikationstechniken, häusliche Gewalt und Sexualhygiene. BanaFair setzt die mit COSIBAH jahrelang unterhaltene Kooperation auch mit FESTAGRO fort.

  • Für das Gewerkschaftsprojekt von FESTAGRO in Honduras 2013-2016 stellt BanaFair 15.000 Dollar bereit.

Ecuador: Fairer Handel vor Ort

Mit der Einrichtung eines Ladens für den Verkauf kleinbäuerlicher Produkte in der Provinzhauptstadt Machala leistet der Bauernverband UROCAL Entwicklungsarbeit für den fairen Handel im Süden Ecuadors. Die städtischen Kunden bekommen auf direktem Weg die Erzeugnisse aus biologischer Landwirtschaft von UROCAL Bauernfamilien in umliegenden Landgemeinden geliefert. Der preistreibende, spekulative Zwischenhandel unterbleibt. Kunden und Produzenten erleben durch die faire Preisgestaltung und die gesunde Qualität von Ackerbau- und Viehzuchtprodukten die Vorteile der Direktvermarktung von Erzeugnissen aus ökologisch und sozial bewusster Landwirtschaft. UROCAL fördert bei Kunden und Produzenten die Kenntnisse über den Fairen Handel, in dem Bäuerinnen und Bauern dieselben Chancen haben, ihren Absatz zu stabilisieren und zu steigern. UROCAL nennt den Laden stolz „El Arbolito“ (Das Bäumchen) und „Tienda del comercio justo“ (Fairhandelsgeschäft). Für die Region bedeutet er eine entwicklungsfähige Alternative zum zentralisierten, konventionellen Lebensmittelhandel. Der Laden bietet frische Produkte im Thekenverkauf und einen Lieferservice ins Haus für Früchte und Gemüsekisten im Abonnement an. Die direkte, faire Lieferkette vom Land in die Stadt mit begleitender Unterrichtung der Kunden in bewusstem Konsum und der Produzenten in nachhaltiger Landwirtschaft ist ein Pionierbeitrag für mehr Ernährungssicherheit.

  • BanaFair fördert das Ladenprojekt von UROCAL 2013-2016 mit insgesamt 30.850 Dollar.